Aus Leerstand, sanierungsbedürftigen Gebäuden, Industrie-Ruinen und ungepflegtem Grün soll ein attraktives Mischgebiet zwischen Weserwiesen und Bahnhof, zwischen Nordbrücke und Kaiserstraße werden. Aus Visionen sollen konkrete Maßnahmen entstehen. Das ist Ziel des am 5. März vor Ratsmitgliedern und sachkundigen Bürgern vorgestellten Rahmenplanes für ein 46 Hektar großes Areal östlich der Weser. "Das Wichtigste an diesem Plan ist, dass er umsetzungsfähig ist und sich am tatsächlichen Bedarf orientiert", strich Bürgermeister Michael Buhre in seiner Einleitung zur Präsentation des Zwischenstandes heraus.
Die Stadt Minden hat die LEG (Landesentwicklungsgesellschaft) Stadtentwicklung beauftragt, ein integriertes Handlungskonzept für das Areal "Alter Weserhafen/Westlicher Bahnhofsbereich" zu erstellen. Das Konzept ist die Voraussetzung für eine mögliche Landesförderung im Rahmen des Programms "Stadtumbau West". "Die LEG, die auch den Grundstücksfonds NRW verwaltet, hat zunächst eine Marktanalyse erstellt, den Wohnungs- und Gewerbemarkt in Minden eingeschätzt, einen Chancen- und Mängelplan erstellt, Entwicklungsziele erarbeitet sowie exemplarische Szenarien für Wohnen, Gewerbe, Freizeit/Sport/Kultur sowie Natur und Freizeit aufgezeigt.
Daraus wurden zwei Szenarien entwickelt, die die jeweiligen positiven Elemente der Voruntersuchungen bündeln. "Das sind unsere Vorschläge für eine realisierbare Entwicklung dieses Gebietes", erläuterte Meinolf Bertelt, Leiter der LEG-Projektentwicklung. Das Konzept sieht neben einem neuem Bahnhofsvorplatz westlich des Bahnhofsgebäudes, ein Kino von mittlerer Größe mit vier bis sechs Sälen, ein Jugendhotel, einen kleinen Sportboothafen, Gastronomie, kleinteilige Gewerbenutzung, attraktives Wohnen sowie Grünfläche am Fort A und Auenlandschaft auf dem ehemaligen Weserwerft-Gelände vor. In der zweiten, ähnlichen Variante sind statt dem kleinteiligen Gewerbe eine Disco und ein Bowling-Center vorgesehen.
Nach Einschätzung von Bertelt ist das Konzept förderfähig, da hier eine umfassende Entwicklung und Neuordnung des Gebietes geplant ist. Auch gebe es bereits Anträge für eine Übernahme verschiedener Flächen in den Grundstücksfonds NRW. Der Grundstücksfonds kann Flächen aufkaufen, wenn beispielsweise die geordnete Entwicklung einer gewerblichen oder industriell genutzten Brache nicht möglich ist oder wenn der Erwerb von Flächen wirtschaftlich sinnvoll ist - insbesondere im Hinblick auf Altlasten, alten Fundamenten oder nicht wieder nutzbaren Altgebäuden.
"Es ging bei unserem Auftrag auch darum, Potenziale zu erkennen", berichtet Kirsten Liene von der LEG Stadtentwicklung und Leiterin des Mindener Projektes. Deshalb sei es wichtig gewesen, eine Chancen-Mängel-Analyse zu erstellen. Danach sieht die Stadtentwicklerin Chancen in dem Gebiet durch die Nähe zum Bahnhof, mit der guten Verkehrsanbindung, am Alten Weserhafen, und auch in der historischen Bedeutung des Geländes. Mängel werden in dem Leerstand, in den weitläufigen Brachflächen (ehemalige Weserwerft), in der jetzigen Gemengelage sowie der Zufahrtsituation über Hafenstraße und Friedrich-Wilhelm-Straße gesehen.
Aufgrund des in Minden gesättigten Mietmarktes sowohl bei Wohnungen als auch bei Gewerbe sieht die LEG in dem Areal südlich der Nordbrücke nur Potenzial im hochwertigen Wohnungsbereich - wie zum Beispiel für Loftwohnungen direkt am Alten Weserhafen - oder für kleinteiliges Gewerbe und Gemeinschaftseinrichtungen wie zum Beispiel einen Handwerkerhof. Potenzial sehen Bertelt und Liene bei freizeitbezogenem Gewerbe wie Kinos, Bowling-Center und Disko.
Ein größeres Teil-Projekt in der vorgestellten Rahmenplanung ist die Gestaltung eines neuen Bahnhofvorplatzes westlich des Bahnhofsgebäudes. Hier haben die LEG-Planer aus Dortmund eine Vision entwickelt. "Die jetzige Erschließung über den dunklen und wenig ansehnlichen Fußgängertunnel ist nicht attraktiv. Auch ist der Bahnhofsvorplatz zu eng", äußerte Bertelt seine Auffassung "als Außenstehender" unter Zustimmung von zahlreichen Stadtverordneten und sachkundigen Bürgern. Für eine Neugestaltung eines neuen, größeren Bahnhofsvorplatzes, eine Erschließung über eine Brücke oder einen Tunnel sei die Fördersituation momentan "sehr günstig".
Eine weiteres wichtiges Projekt für die Erneuerung des Stadtquartiers ist die Etablierung neuer Nutzungen in der ehem. Bahnhofkaserne an der Friedrich-Wilhelm-Straße, die den Bereich dominiert. Eine mögliche Nutzung wäre ein "Jugendhotel". Die Nachfrage nach hochwertigen Jugendunterkünften steige bundesweit. Sowohl die Lage als auch die räumlichen Voraussetzungen seien ideal für eine solche Nutzung, so Kirsten Liene. In Kombination mit der bereits bestehenden Kindertagesstätte und Gastronomie im/am Innenhof sei dieses umsetzungs- und zukunftsfähig.
Breite Beteiligung der Öffentlichkeit im Mai/Juni
Der Entwurf der LEG Stadtentwicklung, eine 100prozentige Tochter des Landes Nordrhein-Westfalen, soll nun zunächst in den Ratsfraktionen diskutiert werden. Für den 8. April ist ein Beschluss im Ausschuss für Bauen, Umwelt und Verkehr vorgesehen. Bis dahin können aus der Politik Änderungen und Vorschläge für das Handlungskonzept in der jetzigen Phase einfließen. Kostenberechnungen, eine Zustandsaufnahme der Gebäude und eine Untersuchung der Altlastenproblematik folgen im zweiten Schritt. Für Mai/Juni ist eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit, insbesondere auch der Bewohner des Gebietes, für die weitere Erarbeitung der Planung vorgesehen.
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PDF-DokumentPlanung Bahnhofsumfeld - Mischszenario 1 (726 kB)
PDF-DokumentPlanung Bahnhofsumfeld - Mischszenario 2 (718 kB)
Quelle und Grafik: Stadt Minden




















Hinweise & Ergänzungen